Betreuungsbüro
Trittau

Betreuung schwerstkranker Menschen

 

 

Betreuer in Zusammenarbeit mit sterbenden Menschen

 

 

 

1. Präambel

Das Sterben ist ein wichtiger Bestandteil in der Betreuung von alten und kranken Menschen. Es gibt immer mehr Betroffene wo es keine Angehörige oder keinen Kontakt zu denen besteht und wo es gilt das Sterben ,den letzten Weg menschenwürdig und nach den Wünschen des Betroffenen zu begleiten.

Dabei haben Pflegeeinrichtungen in den letzten Jahren und Jahrzehnten infolge veränderter Familienstrukturen, der Demografie wie auch infolge von Fortschritten der Medizin als Sterbeorte an Bedeutung gewonnen; Hospizarbeit und Palliativversorgung haben sich zu einer zentralen Herausforderung für Einrichtungen der stationären Altenhilfe entwickelt, der mit der Schaffung geeigneter institutioneller Rahmenbedingungen und Kooperationsstrukturen, aber auch mit der Weiterentwicklung einer fachlich und ethisch fundierten Sterbekultur begegnet werden muss. Jedoch muss auch das Sterben in der Häuslichkeit möglich sein oder in einem Hospiz. Diese Möglichkeiten sollten im Vorwege geklärt werden und ggf. die richtige Institution oder Hilfe gesucht werden. Dabei soll die Versorgung bis zum Lebensende geklärt werden und alle Voraussetzungen für ein menschenwürdiges Sterben. Den sterbenden Menschen und ggf. deren Angehörigen muss es möglich sein, die Auseinandersetzung mit der Vergänglichkeit sowie das würdige Leben vor dem Sterben. Der Tod ist der Begleiter des Leben, es gilt dies zu verstehen als ein unausweichliches Ende sondern auch als strukturierendes Prinzip im Sinne der Ordnungen von Leben und Tod. Gerade bei einer schweren Erkrankung, der Pflegebedürftigkeit  oder einer fortgeschrittenen Demenz tritt die Ordnung des Todes in den Vordergrund und es gilt die Bedürfnisse zu befriedigen welche im Vorfeld geäußert wurden oder als dessen angesehen wurden. Dabei gilt es zu beachten die  individuellen Bedürfnisse, Interessen und Wünsche des Menschen um eine orientierte Gestaltung des Lebens zu gewährleisten. Respekt, Achtung und Anerkennung der Würde des Menschen, die Sicherung von Lebensqualität, die Ermöglichung von Bezogenheit und Teilhabe stellen unabhängig vom jeweils vorliegenden Ausmaß körperlicher und geistiger Einbußen und Schädigungen grundlegende Zielsetzungen in der Betreuung und Versorgung von Menschen am Lebensende dar. Dabei ist nicht nur der unbedingte Respekt vor der Menschenwürde wichtig, sondern es sind auch Möglichkeiten zu schaffen, damit sich diese Würde in konkreten Situationen verwirklichen, damit sie sich leben kann. Auch dann, wenn sich Menschen nicht mehr deutlich vernehmbar artikulieren können, ist es möglich, auf dem Wege des nonverbalen Ausdrucks.

 

Und wenn sich individuelle Vorlieben und Abneigungen nicht mehr erfragen lassen, so sind diese doch vielfach aus der Biografie und aus der Beobachtung emotionaler Reaktionen ableitbar. Die Achtung vor der Würde des Menschen gebietet es, derartige Vorlieben und Abneigungen bei der Planung und Realisierung eines individualisierten Versorgungskonzepts ausdrücklich zu berücksichtigen. Palliativversorgung  stellen die für die gesetzliche Betreuung und damit für die Regelung der Versorgung nicht selten eine tiefgreifende ethische Entscheidung mit Blick auf die weitere Behandlung und Pflege, möglicherweise auch mit Blick auf eine Therapiezieländerung, bei der die bisherige Behandlung nicht fortgeführt und eine Behandlung im Sinne der Palliativversorgung mit umfassender Symptomkontrolle eingeleitet wird. Nicht selten kann sich der schwerkranke oder sterbende Mensch nicht mehr direkt, unmittelbar, deutlich vernehmbar in dieser Entscheidungssituation und zu den verschiedenen Handlungsalternativen äußern. Und auch die Angehörigen können in solchen Situationen nicht immer weiterhelfen. Gerade deshalb ist es wichtig in diesem Prozess neutral ,und mit geschulten Auge sich, einen Eindruck zu verschaffen um konstruktiv den Sterbeprozess begleiten zu können.

Eine angemessene medizinische Versorgung macht dabei die intensive Zusammenarbeit mit Hausärzten und Ärztinnen erforderlich, des Weiteren müssen entsprechende kommunale Versorgungsstrukturen einbezogen werden. Im Rahmen des Aufbaus geeigneter Kooperationsnetzwerke ist auch die Zusammenarbeit mit Ehrenamtlichen eine wesentliche Aufgabe der Hospizarbeit und Palliativversorgung, wobei es gesetzlich verankerte Aufgaben gibt welche die zuständigen Leistungserbinger zu gewährleisten haben.

Die Ehrenamtlichen Helfer kann der Betreuer schlecht suchen, da er den Netzwerken nicht angeschlossen ist, aber er kann die Verbindungen zu den Netzwerken schaffen und von dort kann dann die Weitervermittlung erfolgen.

Es versteht sich auch das ein Betreuer seine Tätigkeit nicht im Ehrenamt ausüben kann, jeder Betreuer setzt auch außerhalb der Arbeitszeit für seine Klienten ein und versucht zu helfen wo er kann.

2. Ausgangssituation

Die gesetzliche Betreuung ist geregelt in den §§ 1896 ff. des Bürgerlichen Gesetzbuchs (BGB). Dabei steht der gesetzliche Betreuer unter Aufsicht des zuständigen Amtsgerichtes des Wohnortes des Betroffenen/ zu Betreuenden. Der Betreuer kann Rechtshandlungen im Namen des Betreuten vornehmen, welche der Betroffene nicht mehr vornehmen kann. Die Aufgabenkreise werden im Vorwege durch eine entsprechende Empfehlung der zuständigen Betreuungsamtes und einem Gutachter besprochen und bei einer Anhörung mit dem Betreuungsrichter beschlossen. Diese Aufgabenkreise können unter anderem Gesundheitssorge, Vermögenssorge, Vertretung gegenüber Behörden und Versicherungen usw. sein. Diese sind zeitlich und sachlich beschränkt. Seit dem Jahre 2003 ersetzt das Betreuungsrecht die frühere Form der Entmündigung d.h. die Betroffenen bleiben mit Ausnahme dem Einwilligungsvorbehalt geschäftsfähig, wahlberechtigt, ehe-und Testierfähig. Dies ist oft nicht eindeutig klar, auch wenn ein Mensch im Sterbeprozess sich befindet kann und darf er seine Wünsche äußern. Der Betreuer vertritt dann nur die Wünsche des Betroffenen.

Das Grundrecht auf Selbstbestimmung ergebe sich aus Art. 2 Abs. 1 Grundgesetz (GG). Die Betreuung dürfe nicht zur Erziehung dienen oder dazu, gesellschaftliche Wertmaßstäbe durchzusetzen.

Für die Betreuung stehen ca 12.000 Berufsbetreuer/innen, Betreuungsvereine und ehrenamtliche Betreuer zur Verfügung.

Durch eine Vorsorgevollmacht mit einer Betreuungsverfügung kann im Hinblick auf die mögliche Hilfsbedürftigkeit eine oder mehrere vertraute Personen benannt werden.

 

Angesichts der Zunahme hochbetagter Menschen mit zum Tod führenden, schweren Erkrankungen und belastenden Symptomen werden  Betreuer sehr kurzfristig eingesetzt und somit ist oft eine genaue Kenntnis der Wünsche und Biografie nicht möglich. Besonders die Gruppe der Hochaltrigen ist aufgrund der demografischen Entwicklung die größte in der in Inanspruchnahme von Hilfe und Organisation der entsprechenden Leistungserbringer. Aber nicht nur das Alter an sich ist ein Faktor, der die Situation bestimmt. Weiterhin kommt der medizinischen, der sozialen bzw. gesellschaftlichen Entwicklung eine bedeutende Rolle zu. Immer mehr ältere Menschen leben in einem Einpersonenhaushalt oder als kinderloses Paar. Durch die Zunahme der Lebenserwartung ist eine lange nachelterliche Gefolgschaft gegeben. Somit sind die Nachkommen selber längst in festen Strukturen, wenn die Eltern hilfsbedürftig werden. Dies alles hat ein Wegbrechen der sozialen Unterstützungsnetzwerke zur Folge. Ein weiterer Effekt ist in der Struktur unseres Gesundheitssystems zu sehen. So ist die Abnahme der Verweildauer in den Krankenhäusern durch Einführung der DRG sicher auch ein Grund für die gestiegene Nachfrage an geregelter Versorgung sei es zu Hause oder im Heim. Die Gesundheits- und Todesstatistiken zeigen, dass vornehmlich die älter werdende Bevölkerung an chronisch verlaufenden Mehrfacherkrankungen leidet, die kumulativ (durch komplexe Symptomgeschehen) die Lebensqualität beeinträchtigen,

insbesondere, wenn der Fokus auf den Lebenserhalt gesetzt wird. Dies alles hat zur Folge ,dass sich der Pflege- und Betreuungsbedarf der Betroffenen im Hinblick auf ihr Alter, ihre Erkrankungen und die damit einhergehende Pflegeintensität geändert hat und noch weiter ändern wird. Besondere Bedeutung haben dabei die Menschen mit demenziellen Erkrankungen, da es dort besonders schwer ist die Bedürfnisse oder den Zustand und die Wünsche zu ermitteln. Der Tod findet heutzutage nicht nur in Heimen statt, es gibt oftmals die Wünsche nach einem Sterben zu Hause, dabei ist es wichtig das durch ein Palliativnetzwerk die Symptomkontrollen durchgeführt werden.

 

Bei alten Menschen liegen häufig chronisch verlaufende, nicht zwangsweise und unmittelbar zum Tode führende Erkrankungen vor. Dies macht ein Umdenken in der palliativen / hospizlichen Begleitung notwendig.[1] Palliativversorgung wurde ursprünglich für Menschen entwickelt, die unter einer eindeutig lebenslimitierenden Erkrankung leiden (vorwiegend Menschen mit Tumorerkrankungen) mit akuten Symptomlagen und/oder einer relativ geringen Lebenserwartung. Für die palliative/ hospizliche Begleitung bedarf es einer, dem besonderen Bedarf von alten, hochaltrigen, pflegebedürftigen, mehrfach-chronisch erkrankten Menschen angepassten, Konzeption. Die Betroffenen müssen meist einen fortwährenden Abbau ihrer Leistungskraft hinnehmen und/oder leiden an entsprechend der Erkrankungsphase wechselnden Symptomlasten und Krisen, die ggf. längerfristig zu einer weiteren Beeinträchtigung ihrer Lebensqualität führen.[2] Erschwerend können die altersbedingten kognitiven Veränderungen und die dadurch veränderte Wahrnehmung auf den Begleitungsprozess einwirken.

 

3 Ziele und Aufgaben

Angesichts der einleitend beschriebenen aktuellen Situation und der zu erwartenden

demographischen Entwicklung ist es erforderlich, dass sich Betreuer mit dem in der Zukunft wachsenden Anteil von Menschen in unserer Gesellschaft als Hilfsmittel des Lebens und des Sterbens verstehen. Eine hospizliche Haltung und Palliativkompetenz müssen integrativer Bestandteil eines solchen Selbstverständnisses sein, sie sind eine wesentliche Voraussetzung für ein gelingendes Leben der Betreuten bis zuletzt. Vor diesem Hintergrund müssen sich Betreuer eine persönliche Entwicklung an folgenden Zielen ausrichten:

3.1 Grundsatzziel

Die Begleitung, Pflege und Behandlung sterbender Menschen und ihrer Angehörigen

sollte als eine der wichtigsten Säulen der Arbeit von Betreuern in die grundlegende Philosophie der Arbeit integriert und auf allen Ebenen der Begleitung gelebt werden. D.h. sobald die Diagnose gestellt wird das, das Leben unwillkürlich dem Ende zugeht, sollten alles Mittel eingesetzt werden um die Wünsche des Betroffenen zu verwirklichen.

 

3.2 Betreute

Die Betreuten werden entsprechend ihrer Lebenssituation und den sich daraus ergebenden individuellen Bedürfnissen und Bedarfen begleitet und mit den  entsprechenden Leistungserbingern versorgt. Zielführende Aufgabe ist es, dass die "Versorgungslogik, die Dienstleistungsorientierung, die Koordination und Kooperation intern wie extern" hierfür ausgerichtet wird.[3] Die Betroffenen sollen eine angemessene palliative Versorgung, welche die körperlichen, psychischen, sozialen und spirituellen Nöte und Bedürfnisse wahrnimmt und angemessen beantwortet, erhalten. Eine umfassend verstandene Schmerzerfassung („total pain“) und die Linderung von Symptomen sind dabei in den Fokus zu nehmen. Dabei ist es die Aufgabe des Betreuers sich mit dem Leistungserbringer und den behandelnden Ärzten auseinander zusetzen und konstruktiv den Austausch zu suchen um die bestmöglichste Versorgung zu erreichen.

 

3.3 Die Angehörigen

Angehörige von Betreuten und die ihnen Nahestehenden sind selbst Betroffene. Sie brauchen Entlastung und Unterstützung im Umgang mit ihrem/ihrer Angehörigen, von dem/der sie realisieren, dass ihnen nur noch eine kurze gemeinsame Zeit bleibt. Sie benötigen ausreichende und ehrliche Informationen und werden in Entscheidungen und Diskussionen z.B. über die Versorgung, über die gesundheitliche Situation ihres Angehörigen oder über diagnostische und therapeutische Maßnahmen einbezogen, Auch auf ihre Bedürfnisse ist einzugehen, wenn es um das Sterben ihres Angehörigen

geht. Dabei ist es wichtig das der Betroffene zuvor seine Einverständnis dafür gegeben hat, da ansonsten der Datenschutz dies nicht erlaubt.

 

3.4. Leistungserbinger

Es stehen unterschiedliche Möglichkeiten der Versorgung eines sterbenden Menschen zur Verfügung, es gibt die Versorgung im Hospiz, im Zuhause durch einen ambulanten Pflegedienst in Kooperation mit einem Palliativ Netzwerk oder einer stationären Einrichtung mit entsprechender Palliativen Struktur. Die sich entwickelnde hospizlich/palliative Haltung findet sich in der grundlegenden Organisationsethik der Einrichtung durch diese Zielorientierung wieder. Zur Hospizkultur gehören dementsprechend Palliativ-Care-Pflegefachkräfte mit einer 160 Stunden Fortbildung sowie ein Case Management, das die jeweiligen Netzwerkpartner wie z.B. Palliativmedizin, Apotheke und Hospizdiensten mit einbezieht. Ethische Konzile sind ebenso Bestandteil der Organisationskultur wie auch Fallbesprechungen zur Krisenintervention. In die jeweiligen Prozesse müssen kontinuierlich Betreute und oder Angehörige integriert werden, um Vorsorgevollmacht beziehungsweise Patientenverfügung in das Geschehen mit einzubeziehen. [4]

Der Betreuer ist dabei im Organisationsprozess stark verankert und muss die nötigen Anträge für die Kostenübernahme zeitnah stellen sowie den reibungslosen Ablauf sicherzustellen.

 

3.5 Gemeinwesen / Kommunen

Die Sicherstellung der Versorgung pflegebedürftiger Menschen ist eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe und bedarf einer ausreichenden sozialen Infrastruktur. Die Kommunen tragen dafür im Rahmen der öffentlichen Daseinsvorsorge auf gemeindlicher Ebene besondere Verantwortung, konkretisiert in verschiedenen Gesetzen (Pflegegesetze der Länder, Heimgesetze, Betreuungsgesetz u.a.). Die kommunale Ebene hat dabei in besonderer Weise Koordinationsaufgaben wahrzunehmen, um die Zusammenarbeit aller Akteure (Leistungsanbieter, Verwaltung, Kostenträger, Bürgerinnen und Bürger), die Entwicklung regionaler Netzwerke zur palliativ-hospizlichen Versorgung und für die Bürgerinnen und Bürger Transparenz und Möglichkeiten zur Beratung sicherzustellen.

Der Betreuer kennt dabei die Netzwerke seiner Umgebung und sucht entsprechende der Wohnsituation den Kooperationspartner heraus.

 

3.6 Politik und Verbände

Bund und Länder tragen die Verantwortung für die notwendigen gesetzlichen Rahmenbedingungen, die Grundlage sind, für die weitere vertragliche Ausgestaltung

durch Kostenträger und Leistungsanbieter im Rahmen der Selbstverwaltung. Sie müssen so gestaltet sein, dass sie es den Trägern der Einrichtungen und ambulanter Pflegedienste ermöglichen, ihren Aufgaben, orientiert an den Bedürfnissen pflegebedürftiger Menschen, gerecht zu werden. Eine wichtige Rolle spielen dabei insbesondere die Deutsche Gesellschaft für Palliativmedizin (DGP), der Deutsche Hospiz- und Palliativ Verband (DHPV) und die Bundesverbände der Träger von Altenpflegeeinrichtungen, die ihre Expertise in die politische Diskussion einbringen. Gemeinsam mit der Gesundheits- und Familienpolitik der Bundesregierung und den Organisationen und Institutionen des selbstverwalteten Gesundheitssystems entwickeln sie die konzeptionellen Grundlagen für die notwendige Weiterentwicklung der Strukturen im Gesundheitswesen einschließlich der gesetzlichen Rahmenbedingungen und integrieren so die Einrichtungen der stationären Altenhilfe in die vernetzte Versorgung sterbender und schwerstkranker Menschen als gesamtgesellschaftlichen Auftrag. Gemeinsam entwickeln sie Indikatoren und unterstützen die politische Arbeit, um Palliativversorgung und Hospizarbeit verstärkt in die Richtlinien zur Qualitätskontrolle zu integrieren (MDK, Heimaufsicht).

Dabei kann der Betreuer sich durch diverse Weiterbildungen auf dem Laufenden halten und durch einen regen Austausch mit Kollegen sowie den Netzwerken, damit die neusten Erkenntnisse auch angewendet werden können.

 

4 Organisationskultur

Der Betreuer hat die Aufgabe, die Implementierungsprozesse der Hospizkultur und Palliativversorgung zu steuern, zu unterstützen und zu evaluieren. Das Handeln und die Haltung der Betreuten zu verstehen und gegenüber von den Leistungserbringern zu spiegeln, welche sich in einem kontinuierlichen ethischen Reflexionsprozess befinden der Einfluss auf die Umsetzungsprozesse der Ziele einer Organisation hat und somit die Organisationsentwicklung beeinflusst.

Wesentlich für die Entwicklung einer palliativ ausgerichteten Organisationskultur ist eine kontinuierliche Reflexion der Haltungen, Kompetenzen, des Qualitätsverständnisses und aufgestellter Erfolgskriterien. Das bedeutet auch ein Aushalten, ein Abstandnehmen von der Aktion, dem Eifer, standardisiert alles unter Kontrolle zu bringen und Leiden eliminieren zu wollen. Dafür hin zur Interaktion mit dem Betroffenen und seinen Zugehörigen, um gemeinsam mit ihnen entsprechend der individuellen Beurteilung des realen Zustands auf der Grundlage vorhandener Ressourcen, Perspektiven und Probleme die Behandlungs- und Versorgungsgestaltung individuell auszuhandeln.[5] Grundlage hierfür ist der Runde Tisch, eine kontinuierliche grenzüberschreitende, interprofessionelle, organisations- und kontextübergreifende Kommunikation. Der Runde Tisch ist hierfür das Bild, die Grundlage für ein Aushandeln und Prozesse der Verständigung mit den Betroffenen und ihren Zugehörigen – sofern sie dieses können und wollen.[6]

 

5.Qualifikation

Generell stellt die Qualifikation der Mitarbeiterinnen der jeweiligen Leistungserbringer ein Kernelement der Entwicklung von Strukturen der „Palliativkompetenz“ dar. Sie stellt

sicher, dass die durch Wissen erworbene Fachkompetenz und die sich als veränderte Haltung darstellende persönliche Kompetenz in der unmittelbaren, alltäglichen und lebensnahen Versorgung und Begleitung der Betreuten und ihrer Angehörigen wirksam werden. Die eigene Fort-und Weiterbildung von Betreuern ist ein Kernelement um sich in eine kontextübergreifende Kommunikation mit allen Beteiligten zu begeben.

 

6. Persönliche Entwicklung

 

Im Rahmen der Qualitätssicherung werden in regelmäßigen Abständen Fortbildungsmaßnahmen durchgeführt. Neben den verpflichtend durchzuführenden Fortbildungen ist darauf zu achten, dass Themen aus der Hospizarbeit und Palliativversorgung entsprechend Eingang finden. Wegweisend ist die Einbindung der Themen aus den Fort- und Weiterbildung, sowie aus Erfahrungen und Auswertungsgesprächen wie Fallbesprechungen innerhalb des Büros bzw. mit anderen Kollegen. Des weiteren ist die Entwicklung der jeweiligen Leistungserbringer von Interesse und wird in diversen Gesprächen ermittelt.

 

7 Medizinische Versorgung

Um den Betreuten eine stabile Versorgung zu gewährleisten, ist die hausarztzentrierte Versorgung vorrangig. Der Hausarzt ist Garant für ein Kontinuum in der Versorgung, basierend auf einer fundierten Anamnese, die auch den biografischen Anteil berücksichtigt (siehe hierzu auch Deutsche Gesellschaft für Allgemeinmedizin und Familienmedizin, 15.9.011).

Eine vorausschauende Notfallplanung- in dem Fall, dass der Hausarzt nicht zur Verfügung steht - ist ebenso zu gewährleisten, wie auch ein zentrales Medikamentendepot, für voraussehbare Ereignisse und Situationen. Eine adäquate Sicherstellung benötigt auch eine adäquate Finanzierung.

Sicherlich kann und wird der Betreuer nicht die Medikamente kontrollieren jedoch ist es wichtig das der Leistungserbringer verlässlich ist damit es zu solchen Engpässen nie kommt.

8 Qualitätssicherung

Die Betreuten stehen – wie bereits ausgeführt - im Mittelpunkt der Versorgung und Begleitung durch die Leistungserbringer und haben das Recht auf eine ihren Wünschen und Bedürfnissen entsprechende qualitativ hochwertige Versorgung. Was palliative und

hospizliche Qualität im Besonderen ausmacht ist, neben dem notwendigen Fachwissen, die Haltung derer, durch die Hospizkultur gelebt und Palliativversorgung erbracht wird. Diese Form der Haltung zeichnet sich dadurch aus, dass den Betroffenen ein großes Maß an Selbstbestimmung zugestanden und fachlich kompetente Hilfe bedürfnisgerecht zu jeder Zeit angeboten wird.

Durch regelmäßigen Austausch werden Prozesse und Abläufe transparent und damit überprüfbar und steuerbar. Die Weiterentwicklung und die kontinuierliche Verbesserung der Arbeitsprozesse im Büroalltag  muss sichergestellt sein.

Es gilt die Versorgung schwerstkranker und sterbender Menschen darf aus ethischen

Gründen nicht als ein Produkt gesehen werden, das auf dem Gesundheitsmarkt gehandelt wird. So darf ein Betreuer sich nicht von Fallzahlen oder Pauschalstunden leiten lassen, es gilt die Würde des Menschen zu respektieren.

Der sich auf der Seite der Leitungserbringer derzeit vollziehende Paradigmenwechsel

in der Versorgung Schwerstkranker und Sterbender muss auch von Seiten der Betreuer  fachkompetent gesehen werden und durch Fachgespräche weiterentwickelt werden.

 

9 Vernetzung

 

Einrichtungen der stationären und ambulanten Altenpflege sind integraler Bestandteil des vernetzten Gesundheits- und Sozialwesens. Mit der Integration von Hospizkultur und Palliativversorgung in ihren Versorgungsauftrag werden sie auch in diesem Versorgungsbereich Teil vernetzter Versorgungsstrukturen. Auch durch die Entwicklung der SAPV, die vom Gesetzgeber ausdrücklich als Teil regionaler Netzwerke vorgesehen ist und sich auf der Basis von gewachsenen Strukturen entwickeln soll, kommt auf die Pflegeeinrichtungen und ambulanten Pflegedienste eine besondere Herausforderung

zu. Indem sie die Möglichkeit haben, die SAPV von externen Anbietern zu nutzen oder ggf. selbst Anbieter von SAPV für ihre Patienten zu sein, sind sie zur Netzwerkarbeit verpflichtet. Diese muss sowohl in ein regionales Gesamtkonzept eingebunden werden, aber auch durch ein eigenes Konzept untermauert sein. Es ist zwischen interner und externer Vernetzung zu unterscheiden. Unter interner Vernetzung sind Abläufe zu verstehen, die die Kommunikation und den Informationsaustausch innerhalb der Büroorganisation  sicherstellen.

 

Unter externer Vernetzung sind Kommunikationswege und Informationsflüsse nach außen zu verstehen, um durch die Zusammenarbeit mit anderen Diensten nahtlose Abläufe und Multiprofessionalität zu gewährleisten.

 

10 Finanzierung / Rahmenbedingungen

 

Die Versorgung schwerstkranker und sterbender Menschen gehört grundsätzlich zum Versorgungsauftrag von ambulanten Diensten und auch stationären Pflegeeinrichtungen. Hierzu ist eine enge Zusammenarbeit mit versorgenden niedergelassenen Haus- und Fachärzten unerlässlich. Mit der SAPV ist für den Fall einer besonders aufwändigen Versorgung eine ergänzende spezialisierte palliativärztliche und –pflegerische Versorgung möglich und hierfür eine zusätzliche Finanzierung gesichert. Der Gesetzgeber geht davon aus, dass etwa 10% aller Sterbenden der SAPV bedürfen.

 

11 Ausblick

 

Demografische Veränderungen werden in naher Zukunft neue Anforderungen an die sozialen Sicherungssysteme in Deutschland stellen. Der Zunahme der alten und hochaltrigen Menschen in der Alterspyramide kann nur dann durch die besondere Haltung und den ethischen Anspruch von Hospizkultur und Palliativversorgung entsprochen werden, wenn wir den begonnenen Bedeutungs- und Kulturwandel in der gesetzlichen Betreuung fortsetzen. Es sollen Orte für ein leb bares Alter und ein würdevolles Sterben  gefunden werden. Dafür müssen die Rahmenbedingungen mit Unterstützung der Politik verbessert werden, damit der gesellschaftliche Beitrag weiter entwickelt werden kann.

Als Betreuer muss man die Rahmenbedingungen kennen und ein sicheres Gespür sowie Verständnis für die Situation haben. Eine kontinuierliche Weiterentwicklung auch indem Bereich der Palliativversorgung ist daher unerlässlich.

 

12 Erfassungsbögen bzw. Fragen zur Ermittlung der Wünsche und Bedürfnisse

 

Es gilt zu beginn der Betreuung Daten zu erfassen um so viele wichtiger Informationen zu haben.

  1. Was kann der gesetzliche Betreuer tun, wo kann er / sie unterstützen, welche Anträge sind zu stellen?
  2. Anbindung an das zuständige Palliativ Care Netzwerk
  3. Was wünscht sich der zu Betreuende, bestehen Vorsorgevollmachten / Patientenverfügungen, wo und wie will jemand sterben, wer soll dabei sein?
  4. Was geschieht nach dem Tod, welche Form von Beerdigung, welcher Bestatter, wer soll organisieren?
  5. Erbe, welches zuständige Nachlassgericht, Fristen für die Erbausschlagungen, welche Papiere sind notwendig.

Dabei sind folgende Daten ggf. auch separat in Form eines Fragebogens zu ermitteln:

Daten des Betreuten- Geburtsort, Lebenswunschort, besonderer Interessen etc.

 

Daten der Erkrankungen, Medikament möglichen Netzwerke, Leistungserbringer

 

Patientenverfügung : gibt es bereits eine oder soll diese erstellt werden

 

Sterbevorsorgevertrag/ Bestattungsunternehmen: gibt es dies bereits oder soll dies organisiert werden

 

Testament/ zuständiges Nachlassgericht/ Nachlasspfleger/ Testamentsvollstrecker

 

Spezielle Wünsche

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

13 Literatur

 

Bödiker, M.L., Graf, G., Schmidtbauer, H. (Hrsg.) (2011). Hospiz ist Haltung -

Kurshandbuch Ehrenamt. Der Hospizverlag: Ludwigsburg

 

Bundesanzeiger (2008). Richtlinie des Gemeinsamen Bundesausschusses zur

Verordnung von spezialisierter ambulanter Palliativversorgung (Spezialisierte

ambulante Palliativversorgungs-Richtlinie / SAPV-RL) Beschluss des Gemeinsamen

Bundesausschusses über die Erstfassung der Richtlinie zur Verordnung von

spezialisierter ambulanter Palliativversorgung vom 20. Dezember 2007 / BAnz. Nr.

39 vom 11.03.2008, S. 911

 

Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (2006). Erster Bericht

des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend über die Situation

der Heime und die Betreuung der BewohnerInneninnen und BewohnerInnen

(Heimbericht): Berlin

 

Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (2002). Vierter Bericht

zur Lage der älteren Generation (4. Altenbericht). Berlin

 

Feldhammer et al. (2008). Wenn Daheim ein Heim ist. Pallia Med: Bonn

 

Gronemeyer, R. (2007). Versorgung am Lebensende – Bestandsaufnahme der

palliativen Versorgung in Hessen, Hessisches Sozialministerium und Justus-Liebig

Universität – Institut für Sozialforschung: Gießen

 

Hasselhorn, H.M Müller, B.H., Tackenberg, P., Kümmerling, A., Simon, M. (2005).

Berufsausstieg bei Pflegepersonal - Schriftenreihe der Bundesanstalt für

Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin. –Übersetzung- Ü15. Dortmund, Berlin, Dresden

 

Heimerl, K., Heller, A., Pleschberger, S. (2006). Implementierung von Palliative Care

im Überblick. In: Knipping, C. (Hrsg.). Lehrbuch Palliative Care. Huber: Bern

 

Heller, A., Knipping, C. (2006). Palliative Care – Haltungen und Orientierungen. In:

In: Knipping, C. (Hrsg.). Lehrbuch Palliative Care. Huber: Bern

 

Heller A., Heimerl K., Husebø S. (Hrsg.) (2007): Wenn nichts mehr zu machen ist, ist

noch viel zu tun. Wie alte Menschen würdig sterben können. Freiburg: Lambertus

 

Heller, A., Kittelberger, F. (2010). Hospizkompetenz und Palliative Care im Alter.

Lambertus: Freiburg

 

Weyerer, S., Bickel, H. (2007). Epidemiologie psychischer Erkrankungen im höheren

Lebensalter. Kohlhammer: Stuttgart.

 

 

Internetquellen

 

Davies, Elizabeth, Higginson Irene J.(ED) (2008). THE SOLID FACTS – Palliative

Care. WHO Europe. [Internet] Unter:

http://www.euro.who.int/__data/assets/pdf_file/0003/98418/E82931.pdf

 (ges. 31.05.2014)

 

 



[1] Davies, Higginson 2008

[2] ebenda

[3] Heimerl, Heller, Pleschberger 2006, S. 66 - 68,

[4] Bödiker, Graf, Schmidtbauer 2010

[5] Pleschberger 2005. In: Heller, Knipping. 2006. S. 40

[6] Heller et al. 2005 & Dinges et al 2005. In: Heller, Knipping. 2006. S. 40

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